Über 100 engagierte Menschen aus Zivilgesellschaft, Kommunalpolitik, Schule und Verwaltung trafen sich 15. November zur 16. Ausgabe der ‚Regionalkonferenz Rechtsextremismus und Demokratiestärkung‘ auf Einladung der ‚Partnerschaft für Demokratie‘ Nordwestmecklenburg in Grevesmühlen. Es war nach 2014 das zweite Mal, dass die Konferenz Station in der ‚Malzfabrik‘ machte. Viele Aktive aus dem direkten Umland, wie beispielsweise aus dem Bündnis ‚Grevesmühlen für alle‘, nutzten die Gelegenheit, sich mit anderen Engagierten aus dem großen Einzugsbereich der Regionalkonferenz vom südöstlichen Schleswig-Holstein bis ins westliche Mecklenburg auszutauschen und gegenseitig zu stärken. Auch Gäste aus Niedersachsen fanden ihren Weg nach Nordwestmecklenburg, aus Tostedt etwa oder aus der Nordheide . Alle einte die Sorge vor einer Zunahme rechtsextremer Auswüchse in den ländlichen Räumen und einer wachsenden Demokratieskepsis in größeren Teilen der Bevölkerung.

Das Organisationsteam der Regionalkonferenz, bestehend aus dem Regionalzentrum für demokratische Kultur Westmecklenburg der RAA, dem Regionalen Beratungsteam gegen Rechtsextremismus in Lübeck der AWO-SH, dem Verein Miteinander leben e.V. in Mölln, den Partnerschaften für Demokratie der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen und der Stadt Lauenburg sowie dem Fachdienst Familie und Schule, Kinder- und Jugendschutz des Kreises Stormarn, hatten ein für die Konferenzgäste ein praxisnahes und informatives Workshopprogramm vorbereitet. Unter dem Titel ‚Mit dem Recht gegen rechts‘ wurden anhand rechtlicher Fallbeispiele die Strategien der extremen Rechten und mögliche Handlungsoptionen vorgestellt. Mit Fachleuten aus der Beratungsarbeit wurde über wirksame Schutzmaßnahmen bei Bedrohungen und Gewalt durch Rechtsextreme gesprochen. In einem offenen Format des Erfahrungsaustausch wurden die aktuellen Herausforderungen und die Leerstellen im Engagement gegen Rechtsextremismus diskutiert, ebenso die Frage, wie sich Konzepte für eine strukturierte Antirassismusarbeit in ländlichen Raum entwickeln lassen. Wichtig auf der Konferenz war auch der Fokus auf junge Menschen. So wurde in einem Workshop gemeinsam beraten, wie Beteiligungsformate vor Ort praxisnah und wirksam gestaltet werden können. In einem weiteren Workshop wurde der Umgang mit rechtsextremen Jugendlichen im Kontext Schule und Sozialer Arbeit thematisiert.

Im Anschluss an die Workshopphase hatte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit, in offenen Räumen ihre Bedarfe zu formulieren, um sich wirkungsvoll für Demokratiestärkung einsetzen zu können. Dabei wurde dem Thema ‚Schutz der eigenen Person‘ ein große Bedeutung zugemessen, aber auch eine Unterstützung und klare Positionierung durch Entscheidungsträgerinnen und -träger in den Verwaltungen und Parlamenten, die über das Format von ‚Sonntagsreden‘ hinausgeht und einen wirklichen Schulterschluss der demokratischen Mitte im Sinne einer Verantwortungsgemeinschaft sichtbar macht. Natürlich wurde auch eine verlässliche finanzielle Ausstattung für demokratiestärkende Arbeit gefordert, so dass man von Projekten zu Strukturen der Demokratiearbeit kommen kann. Besonders wichtig war den Teilnehmenden allerdings auch die Feststellung, dass es gerade bei den Menschen, die sich noch nicht engagieren, mehr Zuspruch und Mut brauche, damit sich Zivilcourage entwickelt . Hier kommt den lokalen Bündnissen und Initiativen eine ganz besondere Rolle zu, da gerade in ihrer Gemeinschaft Menschen oft erst zu einer klaren Haltung gegen Rechtsextremismus finden. Das Organisationsteam der Regionalkonferenz nahm all die Bedarfe, Ideen und Wünsche auf und sicherte zu, mit dem Votum der Teilnehmenden hieraus eine Resolution zu formulieren, quasi als starke Botschaft der engagierten Zivilgesellschaft an die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung.

© Kreisjugendring Nordwestmecklenburg
Die 16. Regionalkonferenz endete mit einem Ausblick auf die 17. Ausgabe, deren Planungen im Januar 2026 schon wieder beginnen. Als Austragungsort bewarb sich die ‚Partnerschaft für Demokratie‘ der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen.
Regionalkonferenz Rechtsextremismus & Demokratiestärkung
Die Regionalkonferenz Rechtsextremismus & Demokratiestärkung wurde 2012 in Ratzeburg als Ergebnis eines länderübergreifenden Fachaustausches von Städten und Gemeinden zum Thema Rechtsextremismus gegründet. Sie versteht sich als Bildungs- und Erfahrungsraum für die engagierte Zivilgesellschaft und hat bis 2024 auf insgesamt 15 Regionalkonferenzen über 1.750 Teilnehmer*innen als Multiplikator*innen gegen Menschenfeindlichkeit und Rechtsextremismus handlungsorientiert geschult, überregional vernetzt und fachlich-inhaltlich fortgebildet. Die Regionalkonferenz wandert dabei durch den norddeutschen Raum mit Stationen in Ratzeburg (2012, 2013, 2018), Lübtheen (2013), Grevesmühlen (2014, 2025), Bargteheide (2014, 2022), Lübeck (2015, 2023), Mölln (2015), Wismar (2016), Boizenburg (2017), Lauenburg (2019), Schönberg/Mecklenburg & online (2021) sowie Parchim 2024.